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| Les yeux alléchés
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| Daniel Salzmann, Galerie zur Schützenlaube Visp, 1.-23. April 2006 | |||
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Eine Serie gemalter Tafeln von Daniel Salzmann lassen die köstlichen Speisen, die sie darstellen, überquellen, so wie beispielsweise die randlosen Küchenplatten. Die mediterranen Düfte verströmen in alle Richtungen: Sardinen in Olivenöl, Meeresfrüchte, Zitronengoldbrasse, Knoblauchhähnchen, gefüllte Paprika und gegrillte Lammkoteletts, Feigen mit Zimt, Aprikosentörtchen... Ein Fest! Die künstlerische Küche Daniel Salzmanns inspiriert sich vom großen Chef Edouard Manet, dem Meister der kulinarischen Stilleben des 19. Jhdts. mit ihrer damals vorherrschenden bürgerlichen Vorliebe für Opulenz. Eine der Besonderheiten Salzmanns Bilder ist das immer gleich bleibende Format, erinnernd an einen weiß gedeckten Tisch, vom dem sich die Farben der Teller abheben, gedeckt für einen Gast: den Betrachter. Der Blick von oben fällt auf die Speisen und man verfällt der Illusion, sie seien mit Messer und Gabel greifbar. Im Auge des eingeladenen Gastes zieht eine sinnliche, farbenfrohe und ausdrucksstarke Küche vorbei. Esstradition! Bildtradition! Aber was bedeuten heute noch diese vollen, zur reinen Repräsentation ausgestellten Teller, die nur darauf warten, dass sich ein Feinschmecker ihrer annimmt? Ein Betrachter, für den alles, was mit Kunst und Küche zu tun hat verdächtig geworden ist, ist er doch ständig einer aufdringlichen, verlogenen Werbung ausgesetzt, die alle Bereiche dieser post-modernen und techno-visuellen Gesellschaft durchdringt. Was kann in der Tat die Darstellung dieser authentischen, traditionellen Platten bedeuten zu einer Zeit des fast food und transgenetischer Nahrungsmittel? In einer Zeit der chemischen Zusätze und Geschmacksverstärker, industrieller Farbstoffe und Verfallsdaten? Ebenso auf künstlerischer Ebene was kann diese köstliche Malerei aus wilden Tönen und reichem Bildauftrag, die ihre Quelle findet bei einem Manet, einem Matisse und Kokoschka, zu einer Zeit des Pavatex, standardisierter Formate und entmystifizierter Praktiken bedeuten? Für den Betrachter von heute Opfer einer schalen, unsubtilen und abtötenden Bilderflut ist die Malerei von Daniel Salzmann ein Genuss für das Auge. Sie ruft in uns eine Küche voller Säfte und Aromen hervor, die das Wasser im Munde zerfließen lässt und Sinne regeneriert. Das Werk von Daniel Salzmann bringt uns den verlorenen Bezug zwischen Nahrung und Malerei wieder zurück und lässt uns an vergangene Zeiten denken seien sie reell oder fiktiv an die sich der Künstler zu erinnern wagt. Die dargestellten Gerichte sind ein wahres Vergnügen in einer poesielosen Welt. Der Maler kitzelt die Sinne in einem illusionslosen Universum. Doch Daniel Salzmann erliegt keiner Täuschung: die pikturale Falle, der Köder, die Maske gehören ebenso zu seiner Welt wie es seine menschlichen Figuren mit ihren ausdruckslosen Gesichtern zeigen. Ihr Blick erwidert den unseren nicht, sie sind abgewandt und schauen woanders hin, in die Leere. Wir gehen sie nichts an. Sie lassen an niemanden denken und verweisen uns so auf unsere eigene Bedeutungslosigkeit verlorener Individuen. Daher die verhaltene Melancholie der düsteren Bilder von Daniel Salzmann, deren Blau- und Schwarztöne zu seinen festlichen kulinarischen Bildern in krassem Kontrast stehen. Alberto de Andrés, Historien d’art, Lausanne (Übersetzung: Ellen Boerner) |
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